Kloster Eberbach

Hier liegt wohl die Wiege des Weinbaus im Rheingau und kaum ein Gemäuer steht so sehr für eine Jahrhunderte alte Weinkultur wie Kloster Eberbach bei Eltville im Rheingau.

13 Mönche hielten hier einst im Jahre des Herrn 1136 Einzug in dem abgelegenen Rheingautal – ein Jahr zuvor – so die Legende – hatten der berühmte Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux zusammen mit dem Mainzer Erzbischof Adalbert das idyllische Tal besucht, als vor ihnen aus der Hecke ein Eber über den Bach sprang. Ob Kloster Eberbach wirklich so zu seinem Namen kam, ist nicht belegt, die Franzosen aber waren echt: direkt aus Clairvaux im Burgund gründeten sie im Kisselbachtal eine neue Abtei – und sie brachten Weinreben mit.

Kloster Eberbach entwickelte sich schnell zu einem der größten und bedeutendsten Klöster Deutschlands – wohl auch Dank des Rebensaftes. Die aus dem Burgund mitgebrachten Reben der Sorte Pinot Noir werden jedenfalls zum ersten Exportschlager der Rheingauer Weinkultur: Weil die Mönche vom Zoll auf dem Rhein befreit waren, dominierten sie den Weinhandel bis hinauf nach Köln, ein äußerst lukratives Geschäft. 1162 besaß das Kloster in Köln gar ein von Papst Alexander III. privilegiertes Lagerhaus.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden klösterliche Räume wie die Fraternei und das Hospital in Weinkeller umgewandelt – da lebten bis zu 150 Priestermönche und 600 Laienbrüder in dem Kloster. In den Kriegen und Wirren der nächsten Jahrhunderte erleidet das Kloster erheblichen Schaden, der Weinbau jedoch blüht weiter. 1730 etwa richten die Zisterziensermönche für ihre kostbarsten Kreszenzen eigens eine Weinschatzkammer ein – ein Eltviller Zimmermann schrieb die Rechnung für den „cabernedt keller“. Lange lagerten im Cabinet-Keller wertvolle Schätze längst verflossener Jahrzehnte.

Mit der Säkularisierung von 1803 endet das Klosterleben, nicht aber der Weinbau. Seine Tradition wird von weltlichen Besitzern fortgeführt, erst dem Herzog von Nassau, ab 1866 von den Preußen und schließlich seit 1945 vom Land Hessen. Heute verwaltet das Weingut Kloster Eberbach sechs Staatsdomänen im Rheingau und an der Hessischen Bergstraße, und ist mit 200 Hektar Rebflächen der größte Weinbaubetrieb Deutschlands.  Die Rotweine aus Kloster Eberbach selbst sind ein Markenzeichen geblieben. Auf 32 Hektar wächst im Rheingau noch immer Spätburgunder, den das Weingut Kloster Eberbach zu höchsten Qualitäten ausbaut.

Im Sommer 2008 wurde nur wenige hundert Meter unterhalb der alten Klosteranlage mit dem Steinbergkeller eine der modernsten Weinproduktionsstätten Europas eingeweiht. Pro Tag können hier bis zu 7.000 Liter Traubensaft verarbeitet werden, die Kellerräume reichen auf 5.000 Quadratmetern mehrere Ebenen in die Tiefe – direkt unter den Steinberg, der ältesten und ersten/wertvollsten Lage in Eberbach. Umgeben ist der Weinberg von einer 3.000 Meter langen mittelalterlichen Bruchsteinmauer, die den Rieslingreben ein besonderes Mikroklima bereitstellt – man sagt, der Steinberg sei der Lieblingsweinberg der Mönche gewesen. Die Ergebnisse können in der Vinothek im Kloster Eberbach verkostet werden – oder bei einer der zahlreichen Weinführungen durch die Klosterklausur und den Steinbergkeller.

Öffnungszeiten

April - Oktober:
Montag - Sonntag: 10:00 - 19:00 Uhr

November - März:
Montag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr