Alle Weinberge sind gleich? Das gilt freilich nicht für die Rebsorten oder den Boden, doch sehen Weinberge äußerlich betrachtet einander ziemlich ähnlich. Reben stehen da an Reben, Zeilen an Zeilen. Aber ist es in Zeiten des Klimawandels nicht ratsam, sich zu überlegen, wie der Weinberg der Zukunft aussehen könnte? Eine mögliche Antwort ist der Wingertsberg bei St. Martin, eigentlich die Lage Kirchberg. Man erkennt ihn schon von weitem. Der „Wingertsberg“ liegt unterhalb des Breiten­bergs im Naturschutzgebiet Haardtrand-Wingertsberg. Er ist ein Paradebeispiel modernen Weinbaus, der auch die Pflege der Landschaft und Natur berücksichtigt. Die bis 2017 auf einem ehemals verbuschten und mit Sträuchern bewachsenen Gelände angelegte Terrassenanlage verbindet Weinbau und Naturschutz und wird von acht Winzern bewirtschaftet. Sämtliche Trauben dieser Steillage werden von Hand gelesen, damit hochwertige Weine entstehen. Aber der Wingertsberg ist eben mehr als nur Rebzeilen. Sand-, Magerrasen- und lichte Waldflächen sowie Streuobstwiesen sorgen für ein abwechslungs- und artenreiches Landschaftsbild. Das ist für die Artenvielfalt sehr günstig, weil auf diese Weine viele Tiere und auch Pflanzen Unterschlupf und Lebensraum finden. Natürlich ist auch der Blick über die Weinstraße und die Rheinebene phänomenal.

Überhaupt wertet der terrassierte Weinberg das Ortsbild von St. Martin auf und lockt Touristen und andere Besucher an. Ganz oben befinden sich ein Hotel sowie eine Pergola, die eine hübsche Kulisse für das höchstgelegene Weinfest der Pfalz bietet: das „Weinfest in der Pergola“, organisiert vom Weinbauverein St. Martin. Übrigens ist St. Martin ohnehin schon ein touristischer Magnet, steht doch der malerische historische Ortskern schon seit 1981 unter Denkmalschutz. Die Bürger von St. Martin wissen also, mit historischen Traditionen umzugehen. Der Wingertsberg ist das Ergebnis einer Flurbereinigungsmaßnahme, die nötig wurde, um die Verbuschung und Brache aufzuhalten. Denn Steillagen sind arbeitsintensiv. Viele Winzer bauen ihre Trauben lieber in der Ebene an. So kam es, dass niemand mehr auf dem Wingerts­berg Wein anbaute. Durch die Flurbereinigung wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, den Steilhang neu zu gestalten. Das ist nicht nur hinsichtlich der Artenvielfalt und Optik wichtig. Beim Wingertsberg kommt noch das einmalige Terroir hinzu, nämlich der Buntsandstein. Diese Formation gibt es in der Pfalz nur auf rund 30 Hektar, weniger als man denken würde. Und Besucher werden mit einem einzigartigen Panoramablick über die Rheinebene belohnt.