Orange Wine

Weinbau

Orange Wine – Ein polarisierender Weintyp

Orange Wine sorgt seit einigen Jahren für große Diskussionen in der Weinszene, obwohl seine Marktbedeutung bis dato noch sehr gering ist. Das Deutsche Weininstitut (DWI) informiert über die „vierte" Weinfarbe.


Name und Entstehung

Ihren Namen haben diese Weine von der orangen bis ins Bernstein gehenden Farbe. Diese entsteht bei der Maischegärung durch den langen Kontakt mit den Traubenschalen, so wie es eigentlich nur bei der Rotweinherstellung üblich ist. Nach der Maischegärung werden die Trauben im Gegensatz zur Rotweinbereitung aber oft erst nach Wochen oder Monaten abgepresst. Durch diesen langen Kontakt mit den gerbstoffhaltigen Schalen und Traubenkernen werden mehr Tannine und Farbstoffe extrahiert, als dies sonst bei Weißweinen üblich ist.

Orange Wine kann sowohl mit traditionellen Methoden, wie etwa dem Ausbau in Amphoren, als auch mit Hilfe modernerer Techniken in Stahltanks oder Holzfässern erzeugt werden. Allen gemeinsam ist die lange Maischestandzeit. Sie prägt den Weincharakter stärker als der Lagerbehälter. Wichtig ist zudem, dass die Weine möglichst wenig oder gar nicht gepumpt werden und so lange lagern bis sie völlig durchgegoren sind. Dadurch werden sie auch mikrobiologisch stabil, so dass man sie unbehandelt und unfiltriert füllen kann. Auch auf den Einsatz des konservierenden Schwefels wird so weit wie möglich verzichtet, bisweilen zu 100 Prozent. Dennoch sind sie in der Regel sehr lange lagerfähig und entfalten ihr Potenzial oftmals erst nach mehreren Jahren. Viele Orange-Weine kommen aus biologischem oder biodynamischem Anbau, was jedoch keine Voraussetzung sein muss.

Für den Winzer ist es nicht ganz risikolos den Wein über Monate sich selbst zu überlassen, weil sich dadurch schnell Fehltöne entwickeln können. Andererseits ist diese Form der Weinbereitung sehr reizvoll für immer mehr Erzeuger, weil sie die Chance bietet, ausgesprochen komplexe und körperreiche Weine abseits des Mainstreams zu erzeugen.

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Geschmack und Aromatik

Orange Weine sind ausgesprochen komplexe und körperreiche Weine mit einer gerbstoffgeprägten Textur, die ihnen eine gewisse Opulenz verleiht. Die sonst so weißweintypische, klare Frucht und Brillanz ist kaum vorhanden. Stattdessen überwiegen erdige, würzige und oxidative Noten, die bisweilen auch an naturtrüben Apfelsaft, Walnüsse oder Kakaopulver erinnern. Der gewohnte Charakter einer Rebsorte ist selten klar erkennbar.

Orange Weine können sehr gute Essensbegleiter sein. In Dänemark beispielsweise, werden sie auch gerne in Spitzenrestaurants von Sommeliers empfohlen.

Geschichte

Die Orange Wine Bewegung geht auf die uralte Art und Weise des Weinausbaus in riesigen, in der Erde vergrabenen Tonamphoren, sogenannten Quevris, zurück. Sie ist in Georgien bis in die Antike zurück verfolgbar und dort bis heute erhalten geblieben. Ende der 1990er Jahre wurde sie über die Grenzen Georgiens hinaus auch im westlichen Europa wiederentdeckt und verbreitete sich über Italien mittlerweile in die gesamte Weinwelt.

(Fotos: www.joernwein.de)