Geplante Neuregelungen im neuen Weingesetz

Der Entwurf für ein neues Weingesetz des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BEMEL) wurde am 20. August 2020 im Kabinett verabschiedet. Das novellierte Gesetz soll den Rahmen für eine stärkere Herkunftsprofilierung des Weines bilden und könnte bereits im Anfang 2021 in Kraft treten. Einzelheiten und Details regelt eine Verordnung, deren Inhalt das Bundeslandwirtschaftsministerium in den kommenden Wochen mit den Bundesländern verhandelt.

Die Herkunft im Fokus

Das deutsche Qualitätsweinsystem soll – in Anlehnung an das romanische Modell – zu einem System weiterentwickelt werden, das sich an der geografischen Herkunft eines Weines orientiert. Es folgt dem Grundsatz "je kleiner die Herkunft, desto höher die Qualität". Dabei soll jede Herkunft für ein klares Profil stehen. Grundlage dafür soll eine Herkunftspyramide sein,  mit dem „Deutschem Wein“ in der Basis bis hinauf zum Lagenwein an der Spitze.


Wein – Geschmackliches Spiegelbild seiner Herkunft

Für die Qualität soll zukünftig vor allem entscheidend sein, wo ein Wein angebaut wird. Der Grundgedanke dabei ist, dass die Charakteristik eines Weines in besonderer Weise vom Terroir bestimmt wird. Der Terroir-Begriff umfasst dabei das Zusammenspiel der Faktoren Klima und Mikroklima, Bodenbeschaffenheit, Lage und Hangexposition und den Einfluss des Menschen auf den Wein. Unter dieser Prämisse soll auf die Einzigartigkeit des genutzten Standortes und seine Herkunft verwiesen werden. Bereits seit 2019 setzt das Deutsche Weininstitut mit einer  Werbekampagne für heimische Weine verstärkt den Fokus auf die geschützen Ursprungsbezeichnungen der 13 Anbaugebiete. Sie thematisiert die regionalen Herkünfte der deutschen Weine ebenso wie die Menschen, die sie erzeugen. 

Geschützte Ursprungsbezeichnungen und geographische Angaben

Weine mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.), zu denen die heutigen Landweine zählen, sollen zukünftig keine Orts- und Lagenamen tragen dürfen. Diese sollen ausschließlich Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) vorbehalten bleiben. Dazu gehören die heutigen Qualitäts- und Prädikatsweine. Sie dürfen künftig auch Namen größerer geografischer Einheiten tragen.
Die geografischen Angaben werden mit definierten Qualitätsmerkmalen, wie etwa einem festgelegten Hektarertrag oder Mindestalkoholgehalt, bestimmten Keltertraubensorten, önologischen oder Ernteverfahren oder auch einer festgelegten Mindestpunktzahl in der Qualitätsweinprüfung verbunden.

Begrenzung der Neuanpflanzungen

Neuanpflanzungen von Weinreben sollen mit dem geänderten Weingesetz und einer zugehörigen Verordnung vorerst auf 0,3 Prozent pro Jahr begrenzt werden. 2019 wurden in Deutschland 103.079 Hektar Wein angebaut. Dementsprechend dürfen bis einschließlich 2023 maximal etwa 300 Hektar Reben jährlich neu angepflanzt werden.

Stärkung des Marketings und der Absatzförderung

Das nationale Marketing soll der Gesetzesvorlage zufolge verbessert werden. Dafür werden die Mittel der Absatzförderung um 500.000 Euro auf zwei Millionen Euro aufgestockt.