Rheingau
Johannisberg ist eine Legende unter den deutschen Weinorten. Die "Perle des Rheingaus" ist der Geburtsort des Spät- und Ausleseverfahrens, das hier seit 1775 praktiziert wird. Von hier aus verbreitete sich auch der Ruhm des edelsten unter den Weißweinen, des Rieslings.Zahlreiche Zeugnisse dieser großen Weinhistorie sind hier zu finden, etwa das einen Weinberg krönende, im 18. Jahrhundert errichtete Schloss Johannisberg, in dem heute die Weingüterverwaltung ihren Sitz hat.
Im Bewusstsein dieser einzigartigen Weintradition beginnen wir unsere 11 Kilometer lange Wanderung nach Kloster Eberbach. Im Gegensatz zu manch anderer Wanderroute, die wir vorstellen, handelt es sich hier um eine eher leichte Strecke, auf der die angenehmen Seiten des Weinwanderns weitgehend ungetrübt von übergebührlichen Anstrengungen genossen werden können. Lediglich moderate 281 Höhenmeter werden wir überwinden müssen.
Auf dem hier durchweg abwärts führenden Rheinsteig gelangen wir zunächst nach Oestrich-Winkel.
Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten dieses in eine malerische Landschaft eingebetteten Ortes gehört sicher
das um 1750 erbaute Brentano-Haus, das die berühmte Familie 1804 erwarb und das nahezu zwei Jahrhunderte ihr Stammsitz
blieb. Die hellsten Köpfe des frühen 19. Jahrhunderts waren in diesem stattlichen Haus zu Gast, darunter Johann
Wolfgang v. Goethe, Achim v. Arnim, Friedrich Carl v. Savigny, der Freiherr vom und zum Stein, die Brüder Grimm ...
Aber auch das fast märchenhaft anmutende Weingut Schloss Vollrads lohnt einen Besuch, zumal man hier nicht allein ausgezeichnete Tropfen verkosten, sondern auch vorzüglich und stilvoll speisen kann.
Mit wunderbaren Erinnerungen im Gepäck, verlassen wir den gastlichen Ort und folgen weiter dem jetzt wieder mäßig ansteigenden Rheinsteig. Die wunderschöne Aussicht auf die reizvolle, deutlich vom Weinbau geprägte Landschaft lässt uns diesen Umstand jedoch kaum bemerken. So passieren wir schließlich das mehr als 750 Jahre alte Weindorf Hallgarten. Die einmalig schöne Lage des Ortes, mit dem romantischen Rheintal auf der einen und dem herrlichen Hochwald auf der anderen Seite, in Kombination mit der alten Kulturlandschaft anziehender Rebhänge, lassen Hallgarten zu einem attraktiven Ausflugsziel werden. Ein Abstecher lohnt sich also in jedem Falle, zumal in den örtlichen Schänken so manch delikater Tropfen auf einen kundigen Gaumen wartet.
Zurück auf dem Rheinsteig, lassen wir alsbald den Anstieg hinter uns und während wir wieder abwärts wandern, können wir von Ferne schon unser Wanderziel erkennen: 1136 von den Zisterziensern gegründet, wurde das geschichtsträchtige Kloster Eberbach im Laufe der Jahrhunderte immer wieder dem vorherrschenden
Zeitgeschmack entsprechend baulich umgestaltet. Bereits im Mittelalter war es berühmt für seinen Weinanbau und –handel. Mit der Säkularisierung 1803 mussten zwar die letzten 25 Mönche das aufgehobene Kloster verlassen, eine Pilgerstätte für Weinliebhaber aus der ganzen Welt ist es aber bis heute geblieben. Hier wurde übrigens auch im Jahre 1986 Umberto Ecos weltberühmter Roman „Der Name der Rose“ eindrucksvoll verfilmt.
Seit 1998 ist die Stiftung Kloster Eberbach Eigentümerin der Anlage. Was dem Zustrom von Weinfreunden
keinerlei Abbruch tut. Für sie bietet das Kloster eine Vielzahl von Weinproben an, u.a. wird von April bis Dezember jeden
ersten und dritten Freitag im Monat die sogenannte „Freitags-Weinprobe“ veranstaltet, die sich regelmäßig
großen Zuspruchs erfreut. Und in der Klosterschänke sowie dem Pfortenhaus werden wir mit in klösterlicher
Tradition zubereiteten kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt.



