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Schloss Johannisberg: Geburtsort der Spätlese

Höhepunkte der Weinkultur: Reingau
Dies war das Ziel des legendären Spätlesereiters: Schloss Johannisberg bei Geisenheim im Rheingau. Seit dem Jahr 817 wird hier Wein angebaut, seit rund 300 Jahren dominiert der Riesling. Damit ist das Weingut ein monumentales Gedächtnis für die Verbreitung des Rieslings.
 

Im Weinbaulexikon von 1930 zum Thema Riesling ist kurz und bündig vermerkt: „Heimat: Deutschland. Wahrscheinlich ein Sämling aus dem Rheingau.“ Eines stimmt in jedem Fall: Schloss Johannisberg ist eine gigantische Schatzkammer des Rieslings und ein Hort der Weinkultur.  

Der Legende nach geht die Anlage des Weinbergs auf Karl den Großen zurück – er soll vom rheinhessischen Ingelheim aus beobachtet haben, dass der Schnee auf dem Johannisberg als erster schmolz. Möglich wäre es, in jedem Fall wird die Lage am Elsterbach 817 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Um das Jahr 1100 gründen hier, genau auf dem 50. Breitengrad, die Mönche des Mainzer Benediktinerklosters Sankt Alban eine neue Gemeinschaft und erbauen eine Basilika. Das neue Kloster wird dem heiligen Johannes geweiht, in der Mitte des 12. Jahrhunderts erscheint erstmals die Bezeichnung „Sankt Johannisberg“ für den Besitz. 

Ab 1716 gehört das Weingut dem Fürstbischof in Fulda, der daraufhin das große, dreiflügelige Schloss erbauen lässt. 1720 werden in den Weinbergen 294 000 Riesling-Reben gepflanzt. Somit ist der erste Weinberg weltweit angelegt, der ausschließlich mit Riesling bepflanzt wurde. Es ist eine Initialzündung, die den Kellermeister Odo Staab notieren lässt: „In dem ganzen Rheingau darf keine andere Traubensorte zur Verfertigung der Weine gepflanzt werden, als nur Rüßlinge.“ Es ist auch die Geburt des "Johannisbergers", in den folgenden Jahrzehnten wird er zum Inbegriff für Qualitätswein schlechthin – bis heute ist "Johannisberg Riesling" in den USA ein Synonym für Riesling. 

Dazu trägt 1775 eine inzwischen legendäre "Verspätung" bei: Der Kurier, der in Fulda die Erlaubnis zum offiziellen Beginn der Weinlese einholen musste, verspätete sich um einige Wochen. Als er endlich wieder in Johannisberg eintrifft, wiesen die Trauben an den Rebstöcken bereits die - bis dahin unbekannte - Edelfäule auf. Der beherzte Kellermeister lässt trotzdem ernten – es ist die Geburtsstunde der Spätlese, die vom Johannisberg aus ihren Siegeszug um die Welt antritt. Ein Denkmal vor der Vinothek erinnert an diese erste späte Lese von edelfaulen Traube, die fortan zur Regel auf dem Johannisberg wird. 

Der Johannisberg aber wird 1816 vom österreichischen Kaiser seinem berühmten Außenminister Clemens Fürst von Metternich geschenkt, bis 1992 war das Gut in Händen der Familie Metternich – Weinzehnt an Österreich inklusive. Auf den 35 Hektar Weinbergen wächst weiter ausschließlich Riesling – und die „Bibliotheca subterranea“, die berühmte unterirdische Schatzkammer im Weinkeller, hütet Raritäten bis zurück ins Jahr 1748.



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