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Kessler in Esslingen: Älteste Sektkellerei Deutschlands

Höhepunkte der Weinkultur: Württemberg
Hier stand die Champagnermarke Veuve Cliquot persönlich Pate: Am 1. Juli 1826 gründete Georg Christian von Kessler in Esslingen am Neckar die erste Sektkellerei Deutschlands.
 

Gelernt hatte der Unternehmer sein Handwerk in der Champagne: Von 1807 an war Kessler bei der berühmten Firma Veuve Cliquot-Fourneaux & Cie. als Buchhalter beschäftigt, 1815 war er bereits Mitglied der Geschäftsführung. Kessler führte die Champagnerkellerei zu enormen Erfolgen, vor allem durch das Auslandsgeschäft, das er aufbaute. Doch Intrigen verhinderten, dass er 1824, wie geplant, das Unternehmen übernehmen durfte.

 Gut für Esslingen und gut für Deutschland: Kessler kehrte in seine Heimatstadt zurück, und gründete dort 1826 die G.C. Kessler & Compagnie in der ehemaligen Kelter des Kaisheimer Pfleghofes. Aus Frühburgunder wurden die ersten 4000 Flaschen Schaumwein hergestellt und unter dem bescheidenen Namen "schäumender Württemberger Wein" in den Handel gebracht. Der Schaumwein nach Champagnerart hergestellt, machte schnell Furore: In den ersten zehn Jahren verkaufte Kessler rund eine halbe Million Flaschen seines moussierenden Weines. 1829 exportierte Kessler bereits nach Russland, Großbritannien und in die Vereinigten Staaten, Hauptabsatzgebiet blieb aber Württemberg und sein Königshaus. 

1832 erfolgte der Kauf der ersten Gewölbekeller im Speyrer Pfleghof. Der eindrucksvolle frühere Zehnthof wurde wohl um das Jahr 1213 errichtet und ist bis heute Firmensitz und Produktionsstandort der Sektmanufaktur Kessler. In Kesslers Todesjahr 1842 verkauft das Unternehmen bereits 46 500 Flaschen – das Unternehmen führte Carl Weiss weiter. Auf der Leipziger Messen im Jahr 1850 erschien dann zum ersten Mal die Marke „Kessler Cabinet“ - die älteste bekannte Sektmarke Deutschlands. Auch im 20. Jahrhundert ging die Erfolgsgeschichte weiter: Kessler-Sekt wurde während der Weltfahrt des Luftschiffes „LZ 127 Graf Zeppelin“ kredenzt, Konrad Adenauer machte ihn 1956 zum Sekt der Bundesregierung für Staatsempfänge. 

Dennoch musste das Traditionsunternehmen im Dezember 2004 Insolvenz anmelden, ein Neustart unter dem Esslinger Betriebswirt Christopher Baur verhinderte 2005 das Aus. Und so können die zwei Kellner mit dem Sektkühler – das Markenzeichen der Firma – noch heute Kessler-Sekt servieren. Gezeichnet wurden sie übrigens vom Simplicissimus-Karikaturist Josef Benedict Engl im Jahr 1904. Heute heimst Kessler-Sekt wieder Preise ein – Dank seines eigenen Stils, ganz in der Tradition Veuve Cliquots. Zu besichtigen ist das im neuen Kessler-Karree 18 mitten in Esslingen mit Bar, Verkostungsraum und historischem Gewölbekeller.



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