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Oestrich: Der historische Weinverladekran

Der historische Weinverladekran, ein Denkmal der Weinkultur, ist das Wahrzeichen der Wein- und Kulturstadt Oestrich-Winkel. Ein mit dunklen Brettern verschalter Fachwerksbau steht am Ufer des Rheins und er ist einer, der die frühe Technik zum Be- und Entladen von Schiffen bezeugt.  
 

Oestrich war 350 Jahre Sitz des Mittelamtes und Oestrich war Kranort. Von hier ging der Rheingauer Wein in Fässern entweder stromab- oder stromaufwärts auf Reisen. Viele Jahrhunderte wurden mit diesem Kran Rheingauer Wein sowie Güter und Waren verschiedener Art von den Schiffen aus oder eingeladen. Der Kranplatz war Treffpunkt von Menschen aus allen Ständen und Schichten. 

Der historische Kran, der von Menschenkraft angetrieben wurde, war noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts (1925) in Betrieb. Erbaut wurde der Kran von 1744 bis 1745, in 16 Monaten war des Bauwerk fertig gestellt. Auf einem 1,50 m tiefen Fundament wurde die Kaimauer aus Sandsteinen, die überwiegend vom Schlossbau des Mainzer Schlosses stammten, errichtet. Es mussten 170 Kubikmeter Quadersteine verbaut werden. 

Der Betrieb eines Krans war zu jener Zeit ein erzbischöfliches Privileg, Krangebühren wurden von der Mainzer Hofkammer fest gesetzt. Der Leiter des Krans war der Kranenmeister, die Stapel- und Krangebühren wurden an ihn entrichtet. Im Rheingau erhielten nur vier Städte vom damaligen Landesherr, dem Mainzer Erzbischof, das Privileg, Kräne zu betreiben.  

Kräne und deren Technik gab es bereits in der Antike. Die Technik wurde von den Römern übernommen und modifiziert, so dass die Technik des historischen Weinverladekrans eine sehr alte ist. Das Tretrad behauptete seine Rolle als Standard-Kraftmaschine bis zur Erfindung der Dampfmaschine. Die Konstruktion der Tretradtechnik blieb bis ins 20. Jahrhundert fast unverändert.  

Im Inneren des Krans befinden sich zwei große Treträder, die von Kranknechten, die ihr ganzes Gewicht in Hebekraft umsetzten, bewegt wurden. Die "Radläufer", die für die damalige Zeit gut bezahlte Facharbeiter waren, mussten durch ihre Körperkraft und ruhigen Bewegungsabläufe dafür Sorge tragen, dass die Lasten unbeschädigt vom Land auf die Schiffe und von den Schiffen an Land befördert wurden. Die Arbeit der Kranknechte war körperlich sehr anstrengend und nicht ungefährlich. Unfälle mit Knochenbrüchen oder mit Todesfolgen kamen vor. Die Hubkraft des Krans betrug max. 2,5 Tonnen. Das Gewicht eines mit Wein gefüllten Stückfasses betrug ca. 1,45 to. Weinverladungen war eine der wichtigsten Aufgaben des Kranenmeisters und der Kranknechte, wobei entweder pro Tretrad ein oder zwei "Radläufer" eingesetzt werden konnten.  

Oestrich-Winkel ist heute Hessens größte Weinstadt und der Wein spielt seit Jahrhunderten eine sehr wichtige Rolle in der noch jungen Stadt, die erst 1972 durch den freiwilligen Zusammenschluss der historischen Weinorte Oestrich, Mittelheim und Winkel Stadtrechte erhielt. 1977 wurde der Weinort Hallgarten in die Stadt eingemeindet, so dass Oestrich-Winkel mit vier historischen Weinorten über 1.000 ha bestockte Rebflächen beheimatet.  

Wann die erste Rebe in Oestrich-Winkel gepflanzt wurde, kann nicht an einer Jahreszahl festgemacht werden, aber Ausgrabungen brachten historische Funde hervor, die hierzu Hinweise geben. So wurde zum Beispiel ein römisches Rebmesser aus der Zeit 90 n. Chr. in unserer Gemarkung im Elsterbachtal gefunden, so dass Oestrich-Winkel auf eine fast 2000jährige Weinbautradition zurückblicken kann.  

Die Herkunft der Namen der einzelnen Stadtteile ist bis heute nicht eindeutig belegbar. Der Name von Winkel könnte vom lateinischen "vini cella" = "Weinkeller" abgeleitet werden. Die erste urkundliche Erwähnung von Winkel ist durch Aufzeichnungen in den Fuldaer Annalen belegt. Hier wird von der Armenspeisung im Jahre 850 in Winkel durch Hrabanus Maurus, dem großen Lehrer Deutschlands, berichtet. Hrabanus Maurus lebte von 780 is 856, war Abt im Fuldaer Kloster, Gelehrter am Hofe Karls des Großen und wurde 67-jährig Erzbischof von Mainz. Der Mainzer Erzbischof hatte ein Landgut, welches sich in Winkel befand, in seiner Diözese. Nähere Angaben dazu sind bisher nicht bekannt.  

In Winkel finden Sie das GRAUE HAUS, das als eines der ältesten Steinhäusern Deutschlands gilt und Jahrhunderte lang Stammsitz der Familie Greiffenclau war. Das GRAUE HAUS wurde im 11. Jahrhundert errichtet und ist ein Haus mit Geschichte.  

Die Herkunft des Names des kleinsten Stadtteils Mittelheim ist ebenfalls ungeklärt, könnte davon abgeleitet werden, dass er sich zwischen Winkel und Oestrich in der Mitte befindet. In Mittelheim steht, umgeben von einem Weinberg, die romanische Basilika, eine ehemalige Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert.  

Oestrich, der Name könnte von der Lage des Ortes aus Winkeler Sicht abgeleitet werden, östlich von Winkel liegt der verträumte Ort mit dem historischen Marktplatz.  

In Oestrich steht auch das Schloss Reichartshausen, dessen Vorgängerbau einer der ersten Wirtschaftshöfe der Eberbacher Zisterzienser Mönche und deren Rheinhafen war. Seit 1980 befindet sich dort der Sitz der European Business School, die erste private hessische Hochschule.

 Oestrich-Winkel bietet Kultur, Geschichte, Tradition und Fortschritt. So finden Sie in der kleinen Stadt am Rhein u. a. historische Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert oder die berühmte Schrötermadonna oder das romantische Pfingstbach- oder Elsterbachtal, herrlich bewanderbare Mühlentäler mit gastlichen Mühlen, die ihre Pforten öffnen.

Sie erleben Rheinromantik pur und auf Schritt und Tritt die Oestrich-Winkeler Weinbautradition, die nicht nur von berühmten adligen Familien wie den Brentanos oder den Greiffenclaus betrieben wird. Die Weinbautradition begegnet ihnen bei den Winzern, die mit ihren Familien das Kulturgut Wein pflegen und hegen. Die Weine können Sie entweder in Straußwirtschaften oder Gutsauschänken genießen. Gastfreundschaft erfahren Sie ebenfalls in den historischen Gasthäusern unserer Stadt.

 Das Oestrich-Winkeler Wahrzeichen ist der historische Weinverladekran, der weit sichtbar auf seiner Kaimauer auf den Wein und die Tradition hinweist. Auf den ersten Blick erscheint ein mit dunklen Brettern verschalter Bau, der dem Auge das Geheimnis der Tretradtechnik verbirgt.

Von April bis Oktober eines jeden Jahres bietet die Stadt die Möglichkeit, das Innere des Krans zu betreten um die historische Technik zu bestaunen. Der Eintritt ist kostenlos und ausgebildete Gästeführer geben Ihnen Einblick in die Geschichte des Oestrich-Winkeler Wahrzeichens.

 Wenn Sie dann Lust auf Wein bekommen, bieten Ihnen die Oestrich-Winkeler Winzer an den Weinprobierständen die Möglichkeit des Weingenießens. Im Stadtteil Oestrich steht das große Weinprobierfass direkt neben dem Weinverladekran.

 



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