Vor 20 Jahren gründete sich in Deutschland der erste und heute größte deutsche Verband von Ökowinzern „Ecovin“, der hierzulande mit rund 200 Mitgliedern fast die Hälfte des Ökoweinbaus ausmacht.
Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Betriebe, die in verschiedenen Verbänden organisiert sind. Dazu zählen neben Ecovin noch Demeter, Naturland oder Bioland und die nach den Statuten dieser Verbände arbeiten. Man aber selbstverständlich heute auch biologisch arbeiten, ohne Mitglied in einem der Verbände zu sein. Die zertifizierten Ökobetriebe bearbeiten zur Zeit etwa 2 % der deutschen Weinberge. Dieser Anteil entspricht rund 2.000 Hektar und ist seit mehreren Jahren konstant.
Wie arbeiten ökologisch ausgerichtete Betriebe? Im Geschmack gibt es keine Unterschiede zwischen Bioweinen und Wein aus herkömmlichem Anbau, denn im Keller arbeiten die Biowinzer nach den gleichen Methoden wie alle anderen Weingüter. Biowein ist von daher auch nicht gesünder oder ungesünder als konventionell hergestellter Wein, denn Wein ist überhaupt eines der reinsten Getränke und in Maßen genossen auch gesund.
Der Unterschied zum normalen Weinbau liegt in der Bearbeitung der Weinberge. Es ist zudem der ideologische Ansatz, der den Unterschied ausmacht das Ziel, ein ausbalanciertes Ökosystem im Weinberg zu erhalten. Dies erfolgt ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Substanzen, um so die Belastung der Umwelt möglichst gering zu halten. Das beginnt bei der Düngung, wo keine Mineraldünger sondern nur Humus, Kompost oder andere organischen Nährstofflieferanten eingesetzt werden und setzt sich beim Pflanzenschutz fort. Hier werden nur reiner Schwefel und Kupfer gegen den echten und falschen Mehltau eingesetzt. An Stelle von Schwefel wird in letzter Zeit sogar häufig schon erfolgreich Backpulver (Natriumbikarbonat) verwendet. Außerdem wird versucht mit Pflanzenstärkungsmitteln die Widerstandsfähigkeit der Reben zu erhöhten. Unkräuter im Weinberg werden ausschließlich mechanisch, das heißt ohne chemische Herbizide entfernt. Um das Bodenleben und die Artenvielfalt in den Weinbergen so aktiv wie möglich zu erhalten werden außerdem alle ökologisch bewirtschafteten Weinberge zwischen den Rebzeilen mit verschiedensten Pflanzen begrünt.
Es gibt auch innerhalb des ökologischen Weinbaus noch gewisse Abstufungen. Winzer, die Biologisch-Dynamisch" arbeiten, versuchen noch zusätzlich die Kräfte des Mondes und der Planteten zu nutzen. Die biologisch-dynamisch arbeitenden Winzer berufen sich auf den Anthroposophen und Begründer der Waldorfschulen Rudolf Steiner.
Umweltbewusster Weinbau ist in Deutschland Standard Auch im konventionellen Weinbau gilt beim Pflanzenschutz und der Düngung die Devise So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich". Viele erfolgreiche Konzepte aus dem ökologischen Anbau haben mittlerweile auch Einzug in den allgemeinen Weinbau gehalten. Der Vorteil der konventionell eingesetzten Pilzbekämpfungsmittel ist, dass sie ebenfalls nützlingsschonend sind, ab er effizienter wirken und man deshalb weniger häufig Pflanzenschutz betreiben muss als im Ökoweinbau. Die Düngung wird wie im Ökoweinbau ebenfalls am Nährstoffbedarf der Reben nach vorheriger Bodenanalyse ausgerichtet.
Bei der Bekämpfung des wichtigsten tierischen Schädlings im Weinbau, dem Traubenwickler, werden mittlerweile auf der Hälfte der deutschen Rebflächen also sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Weinbau - Pheromone eingesetzt. Dies sind Sexualduftstoffe des Traubenwickler-Weibchens, die normalerweise die Männchen anlocken also quasi das Parfüm des Weibchens. Man hat diese Stoffe nun künstlich hergestellt und in diese Ampullen gefüllt. Wenn sie in den Weinbergen ausgehängt werden ist die Parfüm"-Konzentration sehr hoch und die Männchen sind so verwirrt, dass sie die Weibchen nicht mehr finden. So kann sich der Traubenwickler nicht mehr vermehren und keinen Schaden anrichten.
Benutzen Ökowinzer andere Rebsorten? Das Rebsortenspektrum der ökologisch arbeitenden Weinbaubetriebe unterscheidet sich nicht sehr wesentlich von den übrigen Betrieben. Man findet bei ihnen jedoch häufiger Rebsorten, die widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten sind. Eine der erfolgreichsten Sorten dieser Art ist der Regent". Diese Sorte zählt zu den am häufigsten gepflanzten des vergangenen Jahres. Er bringt tiefdunkle, kräftige Rotweine hervor, mit dem Aroma von Kirschen und Johannisbeeren und eignet sich hervorragend als Menübegleiter zu Wildgerichten oder eine Lammkeule.
Alles unter Kontrolle Seit 1991 gibt es eine von der EU erlassene Richtlinie für den biologischen Weinbau. Erzeuger, die ihre landwirtschaftlichen Produkte als Bio-Produkte bezeichnen und vermarkten wollen, müssen sich einem Kontrollverfahren nach dieser sogenannten EG-Öko-Verordnung unterziehen. Sie schreibt die Mindeststandards für die Erzeugung, Verarbeitung und Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln fest. Alle zertifizierten Betriebe werden einmal pro Jahr von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft, ob sie die jeweils geforderten Bedingungen eingehalten haben. Bei Zugehörigkeit zu einem Öko-Anbauverband kommt eine weiterführende Kontrolle auf Einhaltung der gültigen, noch strengeren Verbands-Richtlinien hinzu.
Bezugsquellen Bioweine sind in Deutschland mittlerweile gut distribuiert. Man findet sie in Ökoläden, aber auch im Fachhandel und im Lebensmittelhandel, beispielsweise von größeren Genossenschaften, die einen Teil ihrer Weine ökologisch ausbauen. Selbstverständlich gibt es sie - und das ist immer das größte Erlebnis direkt beim Winzer. Alle Verbände haben eine Liste Ihrer angeschlossenen Betriebe im Internet, und schicken diese sicherlich auch gerne interessierten Weinfreunden zu.
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