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Höhepunkte der Weinkultur
Das Deutsche Weininstitut (DWI) zeichnet 2010 erstmals "Höhepunkte der Weinkultur" aus.
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Weine aus ökologischem Anbau – ein wachsendes Segment im deutschen Weinangebot

1985 gründete sich in Deutschland der erste und heute größte deutsche Verband von Ökowinzern ?Ecovin?, der hierzulande mit rund 200 Mitgliedern fast die Hälfte des Ökoweinbaus ausmacht. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Verbände, in denen biologisch arbeitende Betriebe organisiert sind.
 

 

Dazu zählen neben Ecovin noch Demeter, Naturland oder Bioland. Man findet hierzulande auch einige biologisch arbeitende Winzer, die nicht zertifiziert oder Mitglied in einem der Verbände sind. Die zertifizierten Ökobetriebe bearbeiten zurzeit rund 4.400 Hektar Rebfläche, was einem Anteil von über 4 % der deutschen Weinberge entspricht. „Von 2006 bis 2008 ist diese Fläche im Zuge des allgemeinen Trends zu biologisch angebauten Produkten um 60 % stark angestiegen“, erläutert Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) in Mainz. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Biowein werde für die nächsten Jahre ein weiterer Zuwachs prognostiziert. Die Umstellung vom konventionellen auf den biologischen Weinbau dauert drei Jahre.

Wie arbeiten ökologisch ausgerichtete Betriebe?

„Im Geschmack gibt es keine Unterschiede zwischen Bioweinen und Wein aus herkömmlichem Anbau, denn im Keller arbeiten die Biowinzer nach den gleichen Methoden wie alle anderen Weingüter“, so Büscher. Biowein ist von daher auch nicht gesünder oder ungesünder als konventionell hergestellter Wein, denn Wein ist überhaupt eines der reinsten Getränke.

Der Unterschied zum normalen Weinbau liegt in der Bearbeitung der Weinberge. Es ist zudem der ideologische Ansatz, der den Unterschied ausmacht – das Ziel, ein ausbalanciertes Ökosystem im Weinberg zu erhalten. Dies erfolgt ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Substanzen, um so die Belastung der Umwelt möglichst gering zu halten. Das beginnt bei der Düngung, wo keine Mineraldünger sondern nur Humus, Kompost oder andere organischen Nährstofflieferanten eingesetzt werden und setzt sich beim Pflanzenschutz fort. Hier werden nur reiner Schwefel und Kupfer gegen den echten und falschen Mehltau eingesetzt. An Stelle von Schwefel wird in letzter Zeit sogar häufig schon erfolgreich Backpulver (Natriumbikarbonat) verwendet. Außerdem wird versucht mit Pflanzenstärkungsmitteln die Widerstandsfähigkeit der Reben zu erhöhten. Unkräuter im Weinberg werden ausschließlich mechanisch, das heißt ohne chemische Herbizide entfernt. Um das Bodenleben und die Artenvielfalt in den Weinbergen so aktiv wie möglich zu erhalten werden außerdem alle ökologisch bewirtschafteten Weinberge zwischen den Rebzeilen mit verschiedensten Pflanzen begrünt.

Es gibt auch innerhalb des ökologischen Weinbaus noch gewisse Abstufungen. Winzer, die „Biologisch-Dynamisch“ arbeiten, versuchen noch zusätzlich unter anderem die Kräfte des Mondes und der Planteten zu nutzen. Die biologisch-dynamisch arbeitenden Winzer berufen sich auf die Lehre des Anthroposophen und –Begründer der Waldorfschulen Rudolf Steiner und erfahren in den letzten Jahren einen relativ starken Zulauf.

Umweltbewusster Weinbau ist in Deutschland Standard

Auch im konventionellen Weinbau gilt beim Pflanzenschutz und der Düngung die Devise „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“. Viele erfolgreiche Konzepte aus dem ökologischen Anbau haben mittlerweile auch Einzug in den allgemeinen Weinbau gehalten. Der Vorteil der konventionell eingesetzten Pilzbekämpfungsmittel ist, dass sie ebenfalls nützlingsschonend sind, aber effizienter wirken und man deshalb weniger häufig Pflanzenschutz betreiben muss als im Ökoweinbau. Die Düngung wird wie im Ökoweinbau ebenfalls am Nährstoffbedarf der Reben nach vorheriger Bodenanalyse ausgerichtet.

Bei der Bekämpfung des wichtigsten tierischen Schädlings im Weinbau, dem Traubenwickler, werden mittlerweile auf über der Hälfte der deutschen Rebflächen – also sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Weinbau - Pheromone eingesetzt. Dies sind Sexualduftstoffe des Traubenwickler-Weibchens, die normalerweise die Männchen anlocken – also quasi das Parfüm des Weibchens. Man hat diese Stoffe nun künstlich hergestellt und in diese Ampullen gefüllt. Wenn sie in den Weinbergen ausgehängt werden ist die „Parfüm“-Konzentration sehr hoch und die Männchen sind so verwirrt, dass sie die Weibchen nicht mehr finden. So kann sich der Traubenwickler nicht mehr vermehren und keinen Schaden anrichten.

Benutzen Ökowinzer andere Rebsorten?

Das Rebsortenspektrum der ökologisch arbeitenden Weinbaubetriebe unterscheidet sich nicht sehr wesentlich von den übrigen Betrieben. Man findet bei ihnen jedoch häufiger Rebsorten, die widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten sind. Eine der erfolgreichsten Sorten dieser Art ist der „Regent“. Diese Sorte zählt zu den am häufigsten gepflanzten des vergangenen Jahres. Er bringt tiefdunkle, kräftige Rotweine hervor, mit dem Aroma von Kirschen und Johannisbeeren und eignet sich hervorragend als Menübegleiter zu Wildgerichten oder eine Lammkeule.

Alles unter Kontrolle

Seit 1991 gibt es eine von der EU erlassene Richtlinie für den biologischen Weinbau. Derzeit ist auf EU-Ebene eine neue Richtlinie in Arbeit, die auch keller­wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen soll. Erzeuger, die ihre landwirtschaftlichen Produkte als Bio-Produkte bezeichnen und vermarkten wollen, müssen sich einem Kontrollverfahren nach dieser sogenannten EG-Öko-Verordnung unterziehen. Sie schreibt die Mindeststandards für die Erzeugung, Verarbeitung und Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln fest. Alle zertifizierten Betriebe werden einmal pro Jahr von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft, ob sie die jeweils geforderten Bedingungen eingehalten haben. Bei Zugehörigkeit zu einem Öko-Anbauverband kommt eine weiterführende Kontrolle auf Einhaltung der gültigen, noch strengeren Verbands-Richtlinien hinzu.

Bezugsquellen

Bioweine sind in Deutschland mittlerweile gut distribuiert. Man findet sie natürlich im ökologischen Fachhandel, aber auch im allgemeinen Weinfach­handel oder Lebensmittelhandel. Selbstverständlich gibt es sie - und das ist immer das größte Erlebnis – direkt beim Winzer oder auch in einigen Winzergenossenschaften, die einen Teil ihrer Rebfläche ökologisch bewirtschaften. Alle Verbände haben eine Liste Ihrer angeschlossenen Betriebe im Internet, und schicken diese sicherlich auch gerne interessierten Weinfreunden zu.