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Klosterruine Disibodenberg: Wo die ältesten Reben Deutschlands wachsen

Höhepunkte der Weinkultur: Nahe
Er ist berühmt durch Hildegard von Bingen, doch der Disibodenberg in Odernheim an der Nahe hat auch eine uralte Weinbau-Geschichte: Spuren weisen auf römische Reben am Südhang des Disibodenbergs hin, seit dem 11. Jahrhundert trägt der Klosterweinberg ununterbrochen Reben.
 

Weingut und Klosterruine befinden sich seit 1753 im Besitz der Familie von Racknitz.Weingut und Klosterruine befinden sich im Besitz der Familie von Racknitz, die das Weingut unterhalb der alten Klosterruine betreibt. Hier sorgte im Jahr 2008 ein sensationeller Fund für Aufhorchen: Auf dem Disibodenberg wurden fünf Rebstöcke der Sorte Weißer Orleans gefunden – eine eigentlich ausgestorbene Sorte. Rebsortenkundlern zufolge dürfte es sich um die ältesten Reben Deutschlands handeln.

Der Orleans war bis ins 19. Jahrhundert in Deutschland verbreitet, vor allem am Rüdesheimer Berg im Rheingau, wo man die späte, sehr säurebetonte Rebsorte schätzte. Die fünf verwilderten Reben des Weißen Orleans am Disibodenberg überlebten an der äußeren Mauerkante. Quellen im Weingut von Racknitz belegen, dass die Reben aus der Zeit zwischen 1108 und der Aufgabe des Klosters in 1559 stammen müssen. (Tel.-Kontakt: 06755-285, weingut@von-racknitz.com)

Gegründet wurde das Kloster am Zusammenfluss zwischen Nahe und Glan von dem irischen Wandermönch Disibod, der zunächst eine Kappelle und eine Klause errichtete. An der verwilderten Stelle errichtete der Mainzer Erzbischof Willigis ein Stift, das einer seiner Nachfolger, Ruthard, 1108 in ein Benediktinerkloster umwandelte. Im Jahr 1112 trat in dieses Kloster ein junges Mädchen namens Hildegard ein. Sie wird 40 Jahre bleiben und später als Hildegard von Bingen mit ihren Schriften zu Ethik, Welt, Mensch und ihren Visionen Berühmtheit erlangen. Auch dem Wein sprach die Heilerin eine bedeutende Rolle zu: "Ein Wein von der Rebe, wenn er rein ist, macht dem Trinker das Blut gut und gesund."  

Das Kloster wurde nach der Reformation geschlossen und verfiel zu einem romantischen Ruinenpark, wie er noch heute zu sehen ist. Seit 1989 gehört das Klostergelände der Scivias-Stiftung. Die besondere Atmosphäre des Disibodenbergs mit den alten Klostermauern und seinen uralten Weinbergen zieht noch heute Besucher in ihren Bann. Genießen kann man sie mit einem Picknick-Korb, den das Weingut von Racknitz zusammenstellt – ein Riesling vom Disibodenberg inklusive. Über das Kloster selbst informiert ein kleines Museum am Eingang zum Klosterberg. Hildegard von Bingen aber erwähnte als eine der ersten den "Hunnischen Wein", zu dem auch der Hartheunisch alias Gelber Orleans gehörte. Mehr: www.von-racknitz.de



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