Eiswein - Der Wein, der aus der Kälte kommt
Kostbare Raritäten belohnen in manchen Jahren des Winzers Geduld!Wenn Winzer pokern ist der Einsatz hoch. Es geht um Trauben, die länger als sonst üblich am Rebstock hängen bleiben und der erbarmungslosen Witterung des heran¬nahenden Winters ausgesetzt werden.Bis Januar, in seltenen Fällen auch bis Februar kann das Spiel der Winzer gegen die Natur dauern. Für den Winzer geht es dabei um alles oder nichts, denn der Eisweinpoker birgt das Risiko des Totalverlustes. Nur etwa 10 Prozent der ursprünglichen Ausgangsmenge ergeben im langjährigen Mittel auch den gewünschten Eiswein in der Flasche. Die restliche Traubenmenge wird selektiv herausgeschnitten oder fällt den unberechenbaren Witterungsumständen zum Opfer.
Das Meisterstück des Winzers
Die eigentliche Eiswein-Lese, oft in den frühen Morgenstunden,
ist anstrengend. Die Kälte macht die Finger starr und schmerzempfindlich. Mühsam werden die gefrorenen Beeren gelesen,
am Ende liegt die Erntemenge zwischen 3 und 5 Hektoliter pro Hektar. Der Wein, der von Anfang an als Rarität produziert
wird, ruft die Sammler auf den Plan. Stolze Preise werden für die edlen Kreszenzen verlangt, dennoch reißt man
den Winzern die wenigen Flaschen aus den Händen.
Die Beere muss am Rebstock gefrieren
Im Unterschied zu den anderen edelsüßen Weinen wie
Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen liegt das Geheimnis der Eisweine in der dichten Konzentration der Beeren-Inhaltsstoffe
und einem vergleichsweise hohen Säuregrad. Ein Phänomen, das durch das Gefrieren der Beeren am Rebstock erreicht
wird. Mindestens minus 7 Grad Celsius braucht es, bevor die Eiswein-Trauben gelesen werden dürfen, idealer weise sind
es minus 10 bis minus 12 Grad Celsius. Die natürlich gefrorenen Trauben werden in diesem „eisigen“ Zustand
noch am frühen Wintermorgen gekeltert. Das in den Beeren enthaltene Wasser bleibt so als Eis auf der Kelter zurück,
während nur der süßeste Saft, dessen Gefrierpunkt tiefer liegt als der von Wasser, als hoch konzentrierter
Most gewonnen wird.
Eiswein ist kein Zufallsprodukt
Viel ist aus den steinhart gefrorenen Trauben nicht herauszupressen,
Qualität geht vor Quantität. Das bedarf einiger Vorbereitungen und eines besonderen Engagements des Winzers, denn
Eiswein ist kein Zufalls¬produkt. Ein striktes und straffes Qualitätsmanagement im Weinberg und spezielle Kultivierungsmaßnahmen
während des ganzen Vegetationsjahres sind für einen großen Eiswein Voraussetzung.
Haben die Trauben die Vollreife erreicht, werden die Eisweinparzellen zum Teil entblättert und in Folie
eingepackt. Diese dient in erster Linie dem Schutz vor Vogelfraß und wurde zuerst in den sechziger Jahren eingesetzt.
Ohne den Folienschutz würden bis Dezember oder gar Januar keine Trauben mehr am Stock verbleiben. Klimatische Veränderungen
– wie immer wieder behauptet – können mit der Folie nicht erreicht werden.
Ein großer Eiswein braucht gesunde Trauben
Passionierte Eisweinwinzer achten peinlich genau
auf ein gesundes Lesegut ohne Botrytis-Befall, der für die sogenannte Edelfäule verantwortlich ist. Denn ein großer
Eiswein braucht vor allem möglichst gesunde Trauben als Ausgangsmaterial. Und genau hier liegt auch der geschmackliche
Unterschied zu den anderen edelsüßen Gewächsen wie Beerenauslese und Trockenbeerenauslese. Ein hochwertiger
Eiswein weist nicht die geschmacklichen Charakteristika der Edelfäule auf. Das gesunde Traubengut garantiert vielmehr
einen frischen und konzentriert fruchtigen Geschmack, dazu verfügen die Weine in der Regel über eine relativ stabile
Säure. Eisweine sind daher auch schon in jungen Jahren ein Genuss.
Der krönende Abschluss eines kulinarischen Abends
Eine interessante Komposition ergibt - selbst
wenn es vielleicht zunächst unglaublich klingt, - der Genuss mit reifem Edelschimmelkäse: Auf der einen Seite die
salzigen bis leicht bitteren Noten des cremigen Käses, auf der anderen Seite die fruchtig süßen Aromen des
konzentrierten Weines, der geschmeidig Gaumen und Zunge umhüllt, addieren sich zu einem außer¬gewöhnlichen
Geschmackserlebnis.


























