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Staatlicher Hofkeller Würzburg: Kellerlabyrinth unter der Residenz

Höhepunkte der Weinkultur: Franken
Dieser Keller hat Rekord verdächtige Ausmaße: Auf 4557 Quadratmeter Größe erstreckt sich der Weinkeller unter der Bischöflichen Residenz in Würzburg.
 

Das mächtige Gebäude über dem Boden ist das außergewöhnlichste aller Barockschlösser und mit seinem Spiegelkabinett und seinem Treppenhaus mit den Tiepolo-Deckenfresken 1981 von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben worden. Doch auch die Kellergewölbe darunter sind ein Teil des Weltkulturerbes: Der berühmte Baumeister Balthasar Neumann konstruierte die Gewölbe mit ihren bis zu fünf Meter dicken Mauern gemeinsam mit dem oberirdischen Bau 1720 bis 1744.

Der Hofkeller selbst geht auf eine Schenkungsurkunde des Würzburger Bischofs Embricho aus dem Jahr 1128 zurück und ist damit das älteste urkundlich belegte Weingut in Deutschland, das sich seit der Gründung ohne Unterbrechung im Besitz der jeweiligen regierenden Macht befindet. Der fürstbischöfliche Weinbau hat Bestand bis zur Säkularisation, 1814 fällt der gesamte Weinbergsbesitz an die Bayerische Krone, der Keller nennt sich fortan “Königlich Bayerischer Hofkeller”. Das Ende der Monarchie in Bayern 1918 leitet über zum selbstständigen bayerischen Staatsweingut “Staatlicher Hofkeller Würzburg”. Mit einer Rebfläche von 120 Hektar in ganz Franken und einer Jahresproduktion von etwa 850 000 Flaschen zählt es zu den großen Weingütern in Deutschland.

Seinen Sitz hat das VDP-Weingut im Würzburger Rosenbachpalais – und darunter. 891 Meter lang, bis zu sechs Meter hoch - der Hofkeller ist eine gigantische Unterwelt für sich. Sieben verschiedene Keller und ein Tunnel erstrecken sich unter den beiden Flügeln der Residenz: Rondellkeller, Kammerkeller, Rotweinkeller und der berühmte Stückfasskeller mit seinen 100 Holzfässern zu je 1200 Litern. In der "Bacchusecke" befindet sich die Schatzkammer, im "Beamtenkeller" stehen die drei riesigen “Beamtenweinfässer”, erbaut 1784: Aus ihnen floss vor über 200 Jahren nichts Geringeres als der flüssige Sold der Hofbediensteten.

 Hier steht auch das sogenannte Schwedenfass: 1631 wollten die Würzburger Bürger ihren Jahrtausendjahrgang von 1540 vor den anrückenden schwedischen Truppen in Sicherheit bringen – und vergruben den Wein im Wald. 1684 wird er durch Fürstbischof Konrad von Wernau zufällig entdeckt, der ein Fass für den Wein bauen lässt – eben jenes Schwedenfass. Bei einer Verkostung 1966 wurde festgestellt, dass der Wein noch immer trinkbar ist.

 Das Lager mit den modernen Stahltanks unter dem Südflügel und den Holzfasskeller unter dem Nordflügel verbindet heute ein 63 Meter langer Gang aus den 1960er Jahren, quer unter dem Ehrenhofplatz durch. 2004 wurde er im Zuge des Vinothek-Neubaus als "Geschichtstunnel" gestaltet, in dem mehr als 875 Jahre Weinbaugeschichte lebendig werden. Die neue, preisgekrönte Vinothek erhielt eine stählerne Verkostungslounge, die wie eine Weinlaube anmutet, moderne Schauvitrinen und "Steintabletts" – ein modernes Lesebuch der Kulturgeschichte des Weins.



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