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Weingut Bürgerspital und Würzburger Steinwein: Bocksbeutel und Silvaner

Höhepunkte der Weinkultur: Franken
Der eine ist der älteste Weinberg mit eigener Lagenbezeichnung, das andere das älteste Spitalweingut Deutschlands: Der Wein vom Stein in Würzburg wurde Jahrhunderte lang im Bürgerspital zum Heiligen Geist weiter verarbeitet, und noch heute gehen die beiden Orte alter Weinkultur eine enge Symbiose ein - im Bürgerspital lagert einer der ältesten noch flüssigen Weine Deutschlands: ein "Steinwein" aus dem Jahrtausendjahrgang 1540.
 

Den Wein vom Stein nannte schon Johann Wolfgang von Goethe seinen Lieblingswein, und auch sonst hat der Hang über dem Mainufer mit seiner seltenen Konstellation von Neigung, Richtung, Geländeform und Flussnähe Geschichte geschrieben: Bereits um das Jahr 779 wuchsen hier Reben, damit ist die 85 Hektar große Lage nicht nur die größte Einzellage Deutschlands, sondern auch die älteste Weinlage mit eigener Bezeichnung. 1665 pflanzte hier der Zisterzienserabt Aberich Degen erstmals Silvaner-Reben an. 1965 wurde bei der Flurbereinigung ein Gedenkstein dafür gefunden - er ist heute im Keller des Bürgerspitals zu besichtigen. Hier lagert auch der älteste erhaltene Wein Frankens, die letzte Flasche eines 1540er. Als der Weinkritiker Hugh Johnson diesen Weißwein 1961 in London verkostete, stellt er überrascht fest, er sei tatsächlich „noch lebendig“ - und lasse „sogar seinen deutschen Ursprung ahnen.“ 

Die Geschichte des Bürgerspitals beginnt im Jahr 1316, als der noble Würzburger Patrizier Johannes und seine Frau Mergardis von Steren ihr Anwesen der Stadt überlassen. Der Zweck: die Aufnahme pflegebedürftiger Menschen in dem "Neuen Spital", das ab dem 16. Jahrhundert „Bürgerspital zum Heiligen Geist“ genannt wird. Durch weitere Stiftungen reicher Würzburger Bürger wächst das Spital weiter, 1334 kommen die ersten Weinberge zur Finanzierung des Stifts dazu – und zur Deckung des eigenen Bedarfs. 1598 etwa bekamen die Spitalbewohner, Männer wie Frauen, täglich ein Maß Wein, das entsprach für damalige Verhältnisse maßvollen 1,22 Litern. 

Bald finanzierte das Bürgerspital aus den Reberträgen, der Landwirtschaft und der Vermögensverwaltung seine wohltätigen Unternehmungen. Der Weinbau aber erlebte immer wieder Krisen – 1726 sieht man etwa die Notwendigkeit, sich gegen "böswillige Machenschaften" zu schützen, in diesem Fall die Weinpanscherei. So ließ der Stadtrat "Auf gnädige, fürstliche Anordnung hin die im Keller des Bürgerspitals zum Hl. Geist lagernden Steinweine ab dem Jahrgang 1718 in Bocksbeuteln mit 1 Maß Inhalt abfüllen und mit dem Stadtwappen versiegeln." Die Maßnahme war erfolgreich: Der Preis für ein Fuder stieg daraufhin von 100 auf 500 Reichstaler. Zugleich war dies die Geburtsstunde der Bürgerspital-Weine im Bocksbeutel. Heute kann man hier eine Sammlung historischer Bocksbeutelflaschen bestaunen – und dazu den größten Holzfasskeller Deutschlands mit rund 200 wertvollen, teils verzierten Eichenholzfässern. 

Durch den Stein führt ein etwa vier Kilometer langer Stein-Wein-Pfad, ein Panorama-Rundweg, der am Weingut am Stein mit seiner außergewöhnlichen Architektur endet. Deren Besitzer Ludwig Knoll hält einige Parzellen im "Stein" – der Großteil gehört zu je einem Drittel dem Juliusspital, dem Staatlichen Hofkeller und eben dem Bürgerspital.



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