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Land der sanften Hügel

Tausend sanfte Hügel und Reben, so weit das Auge reicht. Südländisch anmutende Trulli, Kellerlabyrinthe und der Nibelungenschatz warten darauf, entdeckt zu werden.
 

Trotz des Namens gehört Rheinhessen heute nicht mehr zu Hessen, sondern zu Rheinland-Pfalz. Im Norden und Osten vom großen Rheinbogen umschlossen, nehmen hier die Reben mit 26 000 Hektar ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Rheinhessens und ein Viertel der Rebfläche Deutschlands ein.
Kein Wunder also, das fast jedes rheinhessische Dörfchen von der Rheinterrasse zwischen Mainz und Worms über den Wonnegau im Süden bis hin ins Alzeyer Hügelland im Westen auf eine lange Weinbautradition zurückblicken kann.
Der Weinreisende braucht sich an keine lineare Streckenführung zu halten, am besten tourt er und quer durch die Weinbauregion (Rad- und Wandertourenvorschläge unter www.rheinhessen.info.de).

Kaiserpfalz in Ingelheim
Mit einem Rebflächenanteil von zwanzig Prozent steht die Sorte Müller-Thurgau an der Spitze der rheinhessischen Weinrangliste. In dem Städtchen Ingelheim jedoch sorgen die Burgunderreben für Aufsehen, Karl der Große soll deren Anbau veranlasst haben. Auf den Kaiser auch gehen die Straußwirtschaften zurück, er erlaubte den Winzern bereits im Mittelalter den Ausschank der eigenen Weine. Ingelheim diente ihm als Pfalz (d.h. als Palast), die Aula Regia (Königshalle) erinnert daran. Die Ausgrabungsarbeiten sind noch im Gange und werden in einer Ausstellung im Besucherzentrum dokumentiert (www.kaiserpfalz-ingelheim.de täglich außer montags geöffnet). In der Straße „Im Saal“ beginnt der Kaiserpfalzrundweg mit 18 Stationen.

Radeln heute und anno dazumal
Bevor die Selz kurz nach Ingelheim in den Rhein mündet, endet der Selztalradweg. Dieser führt ab Alzey mitten durchs rheinhessische Hügelland, vorbei an Weinbergen, Feldern und durch Fachwerkdörfer. Die knapp 50 Kilometer kann man mit Pausen in fünf Stunden schaffen. Markiert mit einem grünen Fahrrad auf weißem Grund macht der Weg bei Selzen eine Schleife und führt an Nieder-Olm und den hübschen Dörfern Schwabenheim mit seinem historischen Marktplatz und Groß-Winternheim vorbei (Streckenverlauf und Karten siehe www.rheinhessen.info.de). Von dort ist es nur ein Katzensprung bis nach Gau-Algesheim und ins rheinhessische Fahrradmuseum (www.fahrradmuseum-rheinhessen.de, geöffnet von Ostern bis Oktober an Sonn- und Feiertagen zwischen 11 und 17 Uhr).

Auf den Spuren der roten Maus
Das Wahrzeichen von Bingen ist der gelbe Mäuseturm, um den sich viele Sagen ranken. Von Ostern bis Ende Oktober wandert man „Auf den Spuren der roten Maus“, die Führung beginnt samstags um halb elf an der Touristeninformation (www.bingen.de). Bei niedrigem Wasserstand des Rheins kann man auf kleinen Dämmen weit hinauslaufen und nach Muscheln suchen. Vom Natur-Erlebnisbad aus hat man im Sommer einen Panorama-Blick in den Rheingau, im Winter kann man durch den Binger Wald zum Salzkopfturm gehen. Literaturinteressierte finden am Friedhof Nummer 9 Informationen über den Dichter Stefan George (das Museum ist dienstags, donnerstags und samstags zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet), das Historische Museum am Strom ist im ehemaligen Elektrizitätswerk untergebracht und zeigt Ausstellungen über Hildegard von Bingen und die Rheinromantik (www.bingen.de/tourist/index.php, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr).

Swing in Bingen, Klassik im Gewölbe
Alljährlich tritt im Juni eine Mischung aus bekannten Bands und Nachwuchsmusikern bei dem Festival „Bingen swingt“ (www.bingen-swingt.de) auf. Worms jazzt im Juli (Informationen unter www.worms.de) und schon ab Mai gibt es fünf Monate lang Ausstellungen, Tanz und Musik nicht nur in den Städten, sondern auch auf den Dörfern (Veranstaltungen siehe www.kultursommer.de). Dort werden bei „Klassik im Gewölbe“ vormals als Kuhställe genutzte Weingewölbe – sogenannte Kuhkapellen - zu Konzerträumen umfunktioniert, die eine vorzügliche Akustik und ein einmaliges Ambiente bieten. Rund fünfzig dieser besonderen Orte findet man in Rheinhessen, beim „Tag der offenen Weingewölbe“ darf man einige der Kreuzgratgewölbe besichtigen. Kultur und Kulinarisches vereint der Kulturhof im kleinen aber feinen Eckelsheim (http://www.kulturhof-eckelsheim.de/).

Vom Kellerlabyrinth in den fröhlichen Weinberg
Nicht nur oberirdisch ist Oppenheim mit der filigranen Katharinenkirche und Fachwerkhäusern bezaubernd, auch der Untergrund dieses Rheinstädtchens hat etwas zu bieten: Über fünf Etagen führt das Kellerlabyrinth unter dem Marktplatz in die Tiefe (Führungen an Wochenenden siehe www.stadt-oppenheim.de/oppenheims_untergrund.htm). Das Deutsche Weinbaumuseum (www.dwb-museum.de, geöffnet von April bis Oktober täglich außer montags zwischen 14 bis 17 Uhr) zeigt neben Korkenziehern und Traktoren auch eine Küferwerkstatt und eine Mausefallensammlung, nach Voranmeldung organisiert das Museum Weingebietsproben. Auf der Oppenheimer Ruine Landskrone finden die Oppenheimer Festspiele statt. Von Mai bis Juli werden Carl Zuckmayers Stücke, darunter auch „Der fröhliche Weinberg“, in seinem Geburtsort Nackenheim aufgeführt (www.carl-zuckmayer.de). Zwischen Nackenheim und Nierstein erstreckt sich die bekannte Weinlage „Roter Hang“. Zu Fuß sollte man für die schöne Wanderung (Hin- und Rückweg) etwa drei Stunden einplanen, anschließend kann man die Tour in einer schönen Straußwirtschaft ausklingen lassen (weitere Tourenvorschläge: http://www.nierstein.de/)

Wo die Mainzelmännchen zu Hause sind
In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz regiert der Weinbauminister über zwei Drittel der deutschen Anbaufläche. Dienstags, freitags und samstags belebt ein bunter Markt den Platz vorm beeindruckenden Martinsdom. Drei Rundfunkanstalten senden von Mainz aus, das ZDF-Sendezentrum veranstaltet drei Mal täglich kostenlose Führungen (Anmeldung unter fuehrungen@zdf.de, www.zdf.de), beim Südwestrundfunk sollte man sich unter 06131 / 929 2291 telefonisch anmelden (www.swr.de). Rennsport-Fans können sich auf der Kartbahn austoben (www.kartbahn-mainz-finthen.de, sieben Minuten Fahrt kosten sechs Euro). Eine Besichtigung der Sektkellerei Kupferberg endet selten trocken (pro Person 6,50 Euro, Anmeldung unter 06131 / 9230, www.kupferbergterrasse.de). Teile der Kelleranlagen stammen noch aus der Römerzeit und sind sieben Etagen tief. Ein keltisches Glashündchen ist im Mainzer Landesmuseum ausgestellt (www.landesmuseum-mainz.de). Das Kurfürstliche Schloss beherbergt nicht nur den Landtag, sondern auch Fundstücke aus der Eiszeit (www.rzgm.de). Im Museum für Antike Schifffahrt präsentiert das Weinforum Rheinhessen alljährlich im Oktober 150 prämierte Weine zwischen antiken Fundstücken (http://www.rheinhessenwein.de/).

Die Nibelungen und der Wormser Dom
Wenn am letzten Augustwochenende der „Bojemääschter vun de Fischerwääd“ (Bürgermeister von der Fischerweide) die Regierungsgeschäfte übernimmt, dann kann das Wormser Backfischfest beginnen. Anfang August finden alljährlich die Nibelungenfestspiele vor dem beeindruckenden Kaiserdom statt (www.nibelungenfestspiele.de). Bereits Brunhild und Kriemhild sind der Sage nach hier zur Messe gegangen. Das Nibelungenmuseum ist in die mittelalterliche Stadtmauer integriert (www.nibelungen-museum.de, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr). Ganz von Moos überwachsen ist der jüdische Friedhof „Heiliger Sand“ bei der Magnuskirche, er gehört zu den ältesten seiner Art. Im Raschi-Haus ist heute das jüdische Museum untergebracht (von Dienstag bis Sonntag geöffnet, www.worms.de). Auch die Wonnegau-Gemeinden rund um Worms lohnen einen Besuch: Die gut erhaltene Dalsheimer Fleckenmauer datiert aus dem 14. Jahrhundert, in Westhofen kann man in einem ehemaligen Stallgewölbe speisen (Deutsches Haus).

Volker von Alzey und die Kräuterhexen
In dem quirligen Landstädtchen Alzey fühlt man sich Volker, dem Fiedler aus dem Nibelungenlied, verbunden: Ein bronzenes Pferd auf dem Marktplatz erinnert an ihn. Alzey liegt im einstigen Mainzer Becken, Muschelfunde in den umliegenden Feldern und Weinbergen sind hier normal. Das Museum bewahrt diese auf, ebenso das Skelett der Seekuh „Elsa“ (außer montags täglich von 10 bis 12 und 14 bis 16:30 Uhr geöffnet). Im nahe gelegenen Flonheim zeigt das älteste Kino des Landes an jedem zweiten Mittwoch des Monats Programmfilme (www.trulliland.de). Merkwürdige Bauten stehen in den Weinbergen rund um Flonheim: Die Trulli, runde Weinbergshäuschen mit kegelförmigen Dach. Nur in Süditalien findet man Ähnliches. Die Saison dauert von März bis September, dann können auf dem Kräuterweg der Rheinhessischen Schweiz zahlreiche Heil- und Küchenkräuter entdeckt werden. Wer in Kräuterkunde noch nicht firm ist, den begleiten ausgebildete Kräuterführerinnen (Termine siehe www.kraeuterschule-herbula.com oder http://www.kraeuter-hexen.de/).

Tipps für Kinder
Bengal und Fluffi haben als erste Königstiger Quartier in den Ingelheimer Weinbergen bezogen, wenig später kamen Kashmir, Mara und Shirkan hinzu. Heute leben sechs der Wildkatzen im Tiger-Garten Waldeck und fressen pro Tag je vier bis sechs Kilogramm Fleisch. Die Tiere können im Sommer von Mittwoch bis Sonntag ab 12:30 Uhr besucht werden, im Winter von Freitag bis Sonntag ab 14 Uhr. Auf der Homepage kann man schon einmal einen Rundgang durchs Gehege am Bismarckturm wagen (www.tiger-garten-waldeck.de). Im Gutenberg-Museum, Mainz, darf man nicht nur alte Bücher und wertvolle Drucke ansehen, sondern sich im Druckladen selbst einmal an der schwarzen Kunst probieren: Jeden Donnerstag zwischen 10 und 17 ist die Werkstatt für jedermann geöffnet. Mit alten Handpressen, Blei- und Holzlettern wird somit Gutenbergs Erfindung unmittelbar verständlich (www.druckladen.mainz.de). Das Museum selbst ist außer montags täglich geöffnet, Erwachsene zahlen fünf, Kinder drei Euro (http://www.gutenberg.de/).

Weinfest-Empfehlung
Zwischen Mai und September vergeht kein Wochenende in Rheinhessen, an dem nicht gefeiert würde. Eines der beliebtesten Weinfeste ist das Kellerwegfest in Guntersblum (drittes und viertes Augustwochenende). Ende September feiert Ingelheim zehn Tage lang das Rotweinfest um die Burgkirche. Zu Beginn wird die Rotweinkönigin gekrönt, danach schenken die Winzer für die Gäste kostenlos Ingelheimer Rotwein aus. Während der Festtage gibt es Stadtrundgänge, am Festsonntag wird Erntedank gefeiert und am letzten Festmontag ein Feuerwerk vom Burgberg abgeschossen. Der Promillebus pendelt zwischen dem Festgelände und den umliegenden Ortschaften.

Außerdem
Wer Land und Leute etwas näher kennen lernen möchte, dem dürfte ein Urlaub auf rheinhessischen Winzerhöfen gefallen: Mal kann man bei der Weinlese mithelfen, mal einen Kellerrundgang machen. Stets jedoch haben die Gastgeber gute Tipps für Ausflüge parat (www.rheinhessen.info/de/winzerurlaub/). Die Rheinhessen-Information bietet auch Pauschalangebote wie „Von Winzerhof zu Winzerhof“ an, eine fünftägige Radtour mit extra Gepäcktransport.

 
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