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Kloster Lorsch: Gedächtnis des Weinbaus

Höhepunkte der Weinkultur: Hessische Bergstraße
Wohl kein Ort in Deutschland hat so viel zum Erhalt der Weinbau-Historie getan, wie das Kloster Lorsch an der hessischen Bergstraße. Unzählige Orte bis hinunter nach Baden, hinüber nach Franken und Rheinhessen können ihre Weinbaugeschichte bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen - Dank des Klosters Lorsch.
 

Hier nämlich entstand Endes 12. Jahrhunderts der Codex Laureshamensis, ein gigantisches Verzeichnis von Weinbergslagen, Schenkungen und Besitzverhältnissen. Der Lorscher Kodex wurde so zum wohl wichtigsten Gedächtnis der Weinbaugeschichte – und zeigt die Bedeutung der Klöster für den Weinbau. 

Kloster Lorsch selbst wird 764 gegründet, zunächst als sogenanntes Eigenkloster des Oberrheingaugrafen Cancor und seiner Mutter Williswinth, die die Neugründung gleich an einen Verwandten verschenkten: Erzbischof Chrodegang von Metz ist in dieser Zeit der einzige Erzbischof nördlich der Alpen. Chrodegang, ein einflussreicher Kirchenmann mit besten Verbindungen zum fränkischen Fürstenhof, schickte die ersten Mönche nach Lorsch. Plötzlich rückt das kleine Kloster ins Rampenlicht der „großen“ Geschichte – und es erhält Reliquien aus Rom: die Überreste des Märtyrerheiligen Nazarius. 

Der Heilige bringt Besucher und wachsende Bedeutung nach Lorsch, schon wenige Jahrzehnte nach seiner Gründung gehört das Benediktinerkloster zu den reichsten Grundbesitzern östlich des Rheins, mit Besitzungen von der heute niederländischen Nordseeküste bis hinunter in die heutige Schweiz. Der Reichtum weckte Begehren, und so hat sich das Kloster Lorsch 772 selbst dem König übereignet und war damit fortan Königs- und später Reichskloster. Nach dem Verlust des alten Status unterstand das Kloster ab 1232 dem Erzbischof von Mainz. Bis zum Schluss blieb es ein regionaler Schwerpunkt der Weinkultur. Dem Zentrum der Kloster- und Geisteskultur machte die Reformation den Garaus: 1557 hob die Kurpfalz, inzwischen Besitzerin von Lorsch, das Kloster auf. In den Kriegen blieb lediglich die "Königshalle" unversehrt, sie verhalf 1991 dem Kloster zur Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe. 

Der Klosterbesitz aber war durch Schenkungen gewachsen, und darin waren meist Weinberge enthalten. Die Quellen berichten, Kloster Lorsch habe schon um 850 an über hundert Orten mehr als 900 Weinlagen besessen, mit einer Konzentration im Mainzer Raum und an der Hessischen Bergstraße. Gleich mit der Gründung 764 ist als Schenkung eine Weinlage im rheinhessischen Hahnheim verzeichnet. Bis um das Jahr 1100 sind an mindestens 170 Orten Erträge von mehr als 923 Weingärten verzeichnet, vermutlich waren es noch mehr. 

Enthalten ist all dies im Codex Laureshamensis, dem Lorscher Kodex, einer umfassenden Aufstellung der Rechte und Besitztümer des Klosters. Das zwischen 1167 und 1190 erstellte Werk enthält 3836 Eintragungen samt Urkunden und erwähnt mehr als 1000 Orte – ein wahres Gedächtnis, auch für die Weinbaugeschichte. Der Codex selbst ist heute in Würzburg zu sehen, Kloster Lorsch aber kann besichtigt werden, und im Museumsshop gibt’s heute wieder "Klosterwein" zu kaufen.

 



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